Redebeitrag SW 2012: solidarity with east london’s strip-club workers

Aus Solidarität mit dem Arbeiterinnenkampf der Strip Club Tänzerinnen und anderer Mitarbeiter_innen aus East London veröffentlichen wir den Redebeitrag einer Aktivistin. Er entstand anlässlich einer Protestkundgebung gegen die geplante Schließung aller Sexual Entertainment Venues in Tower Hamlet und Hackney. Der Redebeitrag wurde außerdem auf dem Slut Walk in Innsbruck am 16.6.2012 verlesen.

„Ich bin hier, um über meine Erfahrungen als Tänzerin in einem Strip Club zu sprechen.

Zu Beginn möchte ich klarstellen, dass ich während meiner Arbeitszeit im Club niemals missbraucht, ausgebeutet oder dazu gezwungen wurde, etwas gegen meinen Willen zu tun.

Im Gegenteil: Ich arbeite freiwillig als Stripperin. Ich finanziere mir damit mein Studium und meinen Lebensunterhalt. Ich fühle mich unabhängig und kann mein Leben nach meinen Vorstellungen und Wünschen gestalten.

Mir ist es außerdem wichtig zu erwähnen, dass die Frauen, die in den Clubs arbeiten während ihrer Arbeitszeit  sicher sind vor körperlicher Gewalt und unerwünschten Übergriffen.

Wir wissen alle, dass Sexismus existiert.  Wir wissen um die Diskriminierung von Frauen in einer patriarchalen Gesellschaft, wir wissen um die Mechanismen und Versuche, mit denen weibliche Körper und Sexualitäten noch immer kontrolliert und reguliert werden.

Als Frau werde ich von Männern regelmäßig sexistisch diskriminiert und angegriffen. Ich bin überzeugt, dass die meisten Frauen ähnliche Erfahrungen mit Männern machen. Das ist nicht akzeptabel. Ich hoffe, dass sich dieser Zustand durch Widerstand, politische Ermächtigung und Aktivismus und Bildung ändern lässt. Es gibt keinen Platz für die Unterdrückung von Frauen.

An diesem Punkt möchte ich erklären, warum ich meine Arbeit als Stripperin trotzdem als empowernd verstehe.

Wie bereits erwähnt ermöglicht sie es mir, finanziell unabhängig zu sein und mein Leben selbstbestimmt zu gestalten,  ohne dabei besonders viel kompromittieren zu müssen.

In einer kapitalistischen und sexistischen Gesellschaft werden Frauen täglich als Sexobjekte wahrgenommen und auch so behandelt. Wir wissen, dass das in jedem Kontext geschieht,  in jedem Berufsfeld. Als Stripperin habe ich allerdings die Möglichkeit, diese Strukturen für mich auszunützen. Ich profitierte finanziell von den patriarchalen Verhältnissen. Außerdem unterliegt die Art der Objektisierung meinen eigenen Regeln und unterliegt meiner Kontrolle.

Natürlich existieren auch in meinem Arbeitsfeld Kotexte, in denen das für die Arbeiterinnen nicht der Fall ist. Frauenhandel und sexualisierte Gewalt stellen, und nicht nur in der Sexarbeit, immer noch massive Problemfelder darstellen. Nur werden sich diese nicht dadurch lösen lassen, dass den legal operierenden Strip Clubs in London die Betreiberlizenz entzogen wird.  Diese Praxis stellt nichts  anderes als einen weiteren Versuch dar, Kontrolle über Frauen und ihre Körper  zu erlangen, die unabhängig sind, und nicht gemäß gängiger Moralvorstellungen agieren.

In den Clubs, die mit städtischer Lizenz ausgestattet sind, finden wir ein sicheres Arbeitsumfeld vor, und können bestimmte Arbeiter_innenrechte für uns in Anspruch nehmen. Mit der Durchsetzung der Nil-Policy verlören wir diese Vorteile. Ein Verbot der Clubs würde diese nicht verschwinden lassen, sondern statt dessen in die Illegalität drängen,  unsere Arbeitsbedingungen präkarisieren und die Gefahr von Übergriffen und Überfällen aus uns erhöhen.

Die Sanktionen richten sich allerdings nicht nur gegen Stripperinnen. Auf der Liste der Lokalitäten, deren Lizenz nicht verlängert werden soll finden sich auch einige Lesben- und Schwulen Clubs.  Die meisten dieser Orte bieten keine Strip Shows oder andere Arten sexueller Unterhaltung an,  sondern sind ganz reguläre Nachtclubs.  Offensichtlich ist Homosexualität für die Stadtverwaltung aber per se mit einer Form von schmutziger und ablehnenswerter Sexualität  verknüpft und wird als Gefahr für die Anwoher_innen dargestellt. Für mich ist das nichts anderes als offen artikulierte und praktizierte Homophobie!

Ich möchte jetzt meine Aufmerksamkeit auf die Argumente derer lenken, die sich für die Schließung der Strip Clubs aussprechen.  Es wird behauptet, dass der Besuch von solcher Einrichtungen bei Männern aggressives Verhalten auslöse. Die Anwesenheit von Clubs erhöhe dadurch automatisch die Anzahl der Gewaltverbrechen im Umkreis. Diese These wird weder durch Kriminalitätsstatistiken, wissenschaftliche Analysen oder das subjektive Empfinden der Anwohner_innen gestützt, jedoch als eines der Hauptargumente für das Verbot eingesetzt. Die Gegner_innen behaupten, dass Frauen die in der Nähe der Clubs wohnen oder arbeiten einem erhöhten Gewaltrisiko ausgesetzt sind. Der Einsatz für die Schließung wird als feministischer Akt im Kampf gegen Männergewalt präsentiert.

Dieser Argumentation folgend müsste es aber vor allem die Institution der Ehe sein, die verboten gehört. Innerhalb von Ehen finden statistisch gesehen die meisten angezeigten Gewaltverbrechen gegen Frauen statt.  Frauennotrufe in Großbritannien berichten, dass in diesem Zusammenhang jede Minute ein neuer Anruf eingeht. Eine von vier Frauen ist von häuslicher Gewalt betroffen.

40 % aller Tötungsdelikte an Frauen werden von ihren aktuellen oder ehemaligen Partnern begangen. Dennoch habe ich noch nirgendwo den Vorschlag gehört, dass ein Verbot oder eine Kontrolle der Institution Ehe  ein passendes legales Mittel wäre, um Frauen zu schützen.

Die Debatte um das Verbot von Strip Clubs stützt sich natürlich auch auf ein altbekanntes Phänomen, und zwar die Stigmatisierung und Dämonisierung von Sexarbeit. Diese Praxis muss unterbunden werden! Wir als Arbeiterinnen verdienen das selbe Maß an Solidarität und Respekt, wie jede andere Arbeiterin weltweit! Wir wollen weder als schmutzig oder unmoralisch war genommen, noch als hilflose Opfer präsentiert werden! Natürlich gibt es Frauen, die in die Sexarbeit gezwungen werden und Misshandlungen ausgesetzt sind. Die lizensierten Strip Clubs sind aber keine solchen Kontexte! Uns unsere Rechte zu nehmen wird die Situation für niemanden verbessern.

Und wie ich bereits zuvor erwähnte: In einem kapitalistischen System sind wir alle den Zwängen der Erwerbsarbeit ausgesetzt. Ich möchte wenigsten entscheiden können,  in welchem Kotext ich mich unterwerfe und zu welchen Bedingungen. Wenn die Stadtverwaltung ein Problem mit Ausbeutung hat, sollte sie gegen den Kapitalismus kämpfen und nicht gegen unabhängige und legal operierende Strip Clubs, in denen die Frauen meistens auf selbständiger Basis ihrer Arbeit nachgehen!

Bevor wir keinen Weg gefunden haben, gemeinsam und solidarisch gegen Ausbeutungsverhältnisse und Gewalt an Frauen anzugehen, werde ich weiter um meine Arbeiter_innenrechte kämpfen und auch darum mein Geld so verdienen zu können, wie ich das möchte!“

Für weitere Informationen zum Arbeiterinnenkampf und zum politischen Hintergrund der geplanten Schließungen hier der Link zum Blog einiger Aktivist_innen:

http://strippingtheillusion.blogspot.co.uk

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